2 Menschen, 2 Esel, 2 Hunde – 2,5 Monate unterwegs    

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Maria Hasler habe ich über Facebook getroffen. Dort bin ich im letzten Jahr auf ihre Seite – Auszeit Eselwandern – gestoßen, auf der sie über ihre geplante und dann auch durchgeführte Wanderung mit 2 Menschen, 2 Eseln und 2 Hunden berichtete. Vor genau einem Jahr war das Projekt beendet. Ein guter Grund, nochmal zurückzublicken.

1. Zuerst bitte die Fakten: wie lange ward ihr unterwegs, von wo nach wo seid ihr gewandert, wie viele Kilometer und Höhenmeter habt ihr zurückgelegt?

Endlich unterwegs

Endlich unterwegs

Ich hatte von Mai bis August meine Auszeit von der Firma. Wir sind gegen 10. Mai 2014 los und kamen in der letzen Juliwoche zurück. Also waren wir gute 2,5 Monate on Tour. Es waren 300 km, aber Höhenmeter hab ich wirklich nicht gemessen oder gerechnet. Im Vorjahr haben wir schon mehrere 2-4 Tagestouren gemacht, um die Esel kennenzulernen und zu trainieren.

Nach ca. 1 Woche auf Achse merkte ich, dass es doch um ganz was anderes geht als Leistung abzuliefern!
Um das Unterwegs sein nämlich, um den Weg! Leistung muss man eh im Alltag bringen. Im Beruf wird gemessen wie viel du schaffst. Aber auf dieser Reise ging’s mir überhaupt nicht darum!

Sondern um das miteinander mit den Tieren (2 Hunde und 2 Esel), das Kennenlernen unseres Landes und der Menschen.
Wir gingen vom Mürztal in der Hochsteiermark in Österreich bis nach Triest – so war zumindest der Plan. Doch wenige Kilometer vor der italienischen Grenze machten wir aufgrund von Hufproblemen von Esel Amadeus halt.

2. War die Tour denn in etwa so, wie ihr sie erwartet habt, oder gab es Überraschungen?

Ich bin froh dass wir keinerlei Probleme mit Jägern oder Bauern hatten. Damit habe ich fast gerechnet – war aber gar nicht der Fall und ich bin so angenehm überrascht wie gut alles ging! Wir waren überall willkommen und wurden herzlichst aufgenommen! Doch wir kämpften mit Windbruch, mit kreuz und quer liegenden Bäumen, bei denen unsere Eselchen klettern lernen mussten, um weiter zu kommen.

Zweimal haben die Esel unser Gepäck durchstöbert und unser ganzes Brot gefressen!!!! Wir waren mitten in den Bergen und mussten Speck und Würstl ohne Brot dazu jausen! Und dann hatte der Übeltäter-Esel auch noch Durchfall und wir mussten uns um seine Gesundheit kümmern. Auf 1700 Hm wurde der Esel krank. Was nun? Also ja, es gab viele Überraschungen, aber eigentlich gingen wir ziemlich „planlos“ los, also konnte uns nichts aus der Ruhe bringen.

Wir wussten die Route, die wir gehen, haben aber nirgends eine Hütte gebucht oder irgendwelche zeitlichen Angaben gemacht. Ach Gott war das schön! Jeden Tag so unbekümmert ins Blaue zu gehen. Ich wusste, „es wird schon funktionieren“!! Dieses Grundgefühl hatte ich! Doch ich wusste nie, was mich erwartet, wo wir schlafen – wild im Freien, bei privaten Leuten, wir hatten sogar ein 4-Sterne Hotel dabei und waren Mal in der Therme oder im Trial-Park…. Also eine bunt gemischte Wanderung!

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3. Wenn ja, was waren die außergewöhnlichsten Momente?

Auf der Koralpe, auf 1700 Meter, wurde unser Esel krank. Er hatte sich einen Nagel eingetreten und hatte einen dicken Fuß und furchtbare Schmerzen. Wir waren mit 90kg Gepäck also gestrandet!

DSCN0809_1klGott sei Dank war gerade Viehauftrieb, und der „Almhalter“ bot uns seine Hilfe an. Im Gasthaus Sonnhof kamen wir unter. Da so ein Hufabszess aber lange braucht um auszuheilen, wir aber die Reise nicht abbrechen wollten, arbeiteten wir im Gasthaus mit. Sonst hätte der Aufenthalt unser Budget gesprengt. Wir waren Holzarbeiten, mit dem Almhalter und dem Förster unterwegs. Beim Nachbar-Bauern halfen wir bei der Heuernte und dafür bekamen wir Futter für die Tiere. Ich war der Unterhalter der Gäste, die extra „Eselschauen“ kamen… Es war ein „work and travel“ der besonderen Art. Obwohl wir still standen und gar nicht wanderten in dieser Zeit, hatten wir so tolle Erlebnisse! Wir kennen buchstäblich die ganze Koralm und konnten den Alltag eines „Sommers auf der Alm“ hautnah miterleben.

Später in Slowenien hatten wir mit großer Hitze zu kämpfen. Um 10 Uhr Vormittags war der Tag gelaufen!! Mein großer, schwarzer Hund verkraftete die Hitze nicht! Also standen wir um 3 Uhr morgens auf, um um 4 los zu kommen. Diese Morgenstimmung war etwas ganz besonderes!

Was ich auch nie mehr vergesse: Die tollen Sonnenstunden die wir auf den Berggipfeln verbrachten. Vor allem die Hirschegger Alm: Wir überblickten das ganze Lavantal und konnten fast bis nach Hause sehen!

4. Habt ihr zu irgendeinem Zeitpunkt bereut, das Projekt geplant zu haben?

NEIN! Ich muss aber dazu sagen, dass es unsere eigenen Esel waren, dass wir generell sehr naturverbunden sind und ein Händchen für Tiere haben bzw. mit Tieren aufgewachsen sind.

5. Was habt ihr als den schönsten Moment empfunden und warum?

Für mich war der schönste Moment als Esel „Jumper“ endlich über einen Mini-Bach sprang, vor dem er so viel Angst hatte. Wir haben wegen 30 cm breitem Wasser (!) 2 Stunden verloren. Mein Freund versuchte es mit ihm, ich versuchte es. Wir probierten es lieb – und dann strenger…

Als mein Freund aufgab sagte ich: „Lass mich mal allein mit ihm. Geh du weg…“. (Er stresste nicht nur mich, sondern auch Jumper!) Wir waren alleine, ich redete ihm gut zu, zeigte ihm wie es geht, und als ich zum Sprung ansetzte, folgte Jumper meinem Beispiel und sprang im wahrsten Sinne des Wortes über seinen eigenen Schatten! Er traute sich, weil er mir vertraute! Das war ein schöner Moment!

Natürlich nicht der Einzige… Aber das hat gezeigt wie man mit einem Tier zusammen wächst, auf so einer Reise!

6. Warum habt ihr diese Route ausgewählt?

Wir kennen einen Oberst vom Bundesheer, der Österreich wie seine Westentasche kennt! Er hat uns unterrichtet im Kartenlesen, im Navigieren mit Kompass, in Notfallregeln im Gebirge usw. und hat uns die Route „eingesagt“.

Er konnte uns sagen, was wir schaffen, wo es zu steil ist, wo es wegen Wetterumschwung zu gefährlich ist. Ich bin ihm seeehr dankbar dafür! Wir hatten durch Österreich eine Traumroute. Meistens entlang des 5-er Nord-Süd Fernwanderweg.
In Slowenien war ich dann die Routenplanerin…. und wir irrten deppert umher! Hügel rauf, Hügel runter! Da sah man den Unterschied ob ein Profi plante…. – oder ICH.
In Österreich, dank dem Oberst, machten wir einmal 1000 Höhenmeter und wanderten dann immer entlang des Grades! Nicht so in Slowenien….

7. Wie habt ihr euch auf die Tour vorbereitet?

20140530_095107_1klWir haben Esel-Fachleute getroffen und nach Ausrüstung befragt, haben viel mit Esel unternommen und sind viel gewandert. Ich habe u.a. die Weihnachtsesel ins Leben gerufen, um auch im Winter alles mögliche mit den Eseln zu machen. [Bei der Aktion Weihnachtsesel geht Maria in der Adventszeit mit dem Esel in die umliegenden Dörfer und beschenkt Familien! 2014 war auch „Ist das jetzt der Urlaub?“ im Säckchen!]

Wir haben gute Berggeschäfte besucht, um super Material zu haben. Und dann gingen wir einfach drauf los. Ich habe bewusst keine Erfahrungsberichte von anderen davor gelesen. Ich wollte mich von deren Problemen nicht noch mehr in Panik versetzen lassen! Denn ich hatte ohnehin schon solche Angst vorm Losgehen! Diese Verantwortung! All die Tiere… Was ist, wenn uns ein Wetterumschwung auf 2000m erwischt? Was ist, wenn ein Jäger den Hund erschießt? Was, wenn der Esel sich den Fuß bricht… Die Tage vor der Reise war ich vor lauter Nervenkrise nicht mehr auszuhalten! Mein armer Freund!!!

Doch nach den ersten 2 Tagen sah ich: ES GEHT! Und wenn wir die Almhütte nicht schaffen, machen wir beim nächsten Bauern halt! Und die freuten sich sogar über eine so buntgemischte Truppe 😀

8. Was würdet ihr beim nächsten Mal anders machen?

Wir würden Vorsorge für die Hufe betreiben. Diese Hufschuhe, die wir hatten, waren nicht gut genug! Über Beschlagung nachdenken (Hufeisen rauf). Ein Esel (Jumper) hatte super harte Hufe und keine Probleme. Aber der zweite (Amadeus) hat den langen Weg ohne Beschlag nicht geschafft.

9. Wie würdest du den Urlaub in 3 Worten beschreiben?

Freiheit, Abenteuer, Gemeinschaft, (Natur)

Oder – gehen 4 Wörter??
leichte Seele, schwere Beine 😀

10. Und was würdest du Nachahmern empfehlen?

Auf jeden Fall einfach machen!!!!

Danke, Maria, für deine Antworten. Ich habe Gänsehaut und würde am liebsten sofort los. Mit Esel – und Kindern – natürlich!

DCIM100GOPRO

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