Blogwichtel: Städtereisen mit Kindern    

Allgemein | 2 Meinungen

Weihnachten liegt zwar schon wieder einige Wochen zurück, aber ich wurde heute noch mit einem Blogwichtel-Artikel beschenkt. Das Texttreff-Los hatte mir Annette Lindstädt, die Rumreiserin, zugelost. Ein glücklicher Zufall, denn sie reist auch mit Kind und Kegel. Mehr von ihr zu lesen gibt es unter www.rumreiserei.de.

Für die Blogwichtelei hat sie über Städtereisen mit Kindern geschrieben:

Städtereisen mit Vorschulkind: eine Eselei?

Viele finden ja die Idee, mit kleinen Kindern und einem störrischen Vierbeiner vier Wochen lang über eine Mittelmeerinsel zu wandern, nun ja … zumindest herausfordernd. Andere mögen sich beim Gedanken, mit einem Vorschulkind auf Städtetrips zu gehen, die Haare raufen. Während uns ersteres ordentlichen Respekt einjagt, haben wir letzteres mehrfach erfolgreich praktiziert und mit unserer Tochter mittlerweile vier teils verlängerte Wochenenden in Metropolen (zweimal Paris, je einmal Berlin und London) verbracht – beim ersten Mal war sie knapp vier, inzwischen ist sie sechs Jahre alt. Und wir werden es wieder tun, denn noch haben wir noch nicht genügend Herausforderungen erlebt, um daraus ein Buch zu machen ;-).

Locker bleiben

Viele finden ja Städtereisen per se stressig, schon ohne Kind. Dann ist vielleicht doch der Wanderurlaub die bessere Alternative. Wer aber Spaß am Großstadtdschungel hat, kann den auch mit Kind haben. Unser Erfolgsrezept: locker machen. Keine großen Pläne, nicht zu viele Programmpunkte einplanen, es langsam angehen. Großstädte haben ja meist ein höheres Tempo, doch dem muss man sich nicht unterwerfen (trotzdem bitte den Einheimischen nicht dauernd planlos im Weg rumstehen, das mögen die nicht). Einfach im Kindertempo reisen, mit Mut zur Lücke. Bei unserem ersten Trip nach Paris – das war auch der kürzeste, von Freitag bis Sonntag – haben wir eigentlich nur den Eiffelturm aus der Nähe beschaut, vor Sacre Coeur auf den Treppenstufen gesessen, Straßenkünstlern zugeschaut und uns ansonsten treiben lassen, z. B. per Schiff auf der Seine. Das war prima und völlig OK so. Gerade in Paris passiert bei schönem Wetter so viel auf der Straße, dass man eigentlich überhaupt kein geplantes Programm braucht.

An jeder Ecke was geboten: Monsterseifenblasen in Paris

Verschnaufen

Pausen zwischendrin, idealerweise auf einem Spielplatz oder im Park, sind hilfreich zum Entstressen und Aufladen der kindlichen Aufmerksamkeitsakkus. Wir haben das Glück, dass unsere Lütte genauso gern in Cafés abhängt wie wir, das macht das Pausieren natürlich einfacher. Außerdem: Mehr als ein Museum am Tag funktioniert unserer Erfahrung nach nicht. Und länger als zwei Stunden hielt es uns auch meist nicht an einem Ort. Na und? Muss man sich halt aufs Wichtigste beschränken und zusehen, dass auch das Kind auf seine Kosten kommt. So konnten wir uns z. B. in der Tate Gallery in Ruhe der modernen Kunst widmen, weil die Kleine mit den im Tate Shop erstandenen Malsachen Picasso nacheiferte.

Malen in der Tate Gallery/London

Perspektive wechseln

Wir haben durch unsere Tochter in den Städten oft ganz andere Sachen angeschaut als wir das allein getan hätten. Das Naturkundemuseum in Berlin zum Beispiel oder in London die Kronjuwelen: Hätte die Lütte nicht darauf bestanden, die Klunker unbedingt anschauen zu wollen, hätte ich mich bestimmt nicht eine Stunde angestellt, um sie zu sehen – und dann waren wir doch froh, dass wir es taten, denn es war toll. Da die Guards am Buckingham Palace den Wachwechsel ausfallen ließen, musste ein Ersatzprogramm her, und so landeten wir in den Royal Mews, wo wir Kutschen, Karossen und Pferde der Königin bewunderten.

Auf der anderen Seite finde ich, dass man ein aufgewecktes Vorschulkind durchaus mal fordern und in „erwachsenere“ Sehenswürdigkeiten schleppen kann. So waren wir etwa in Berlin im Museum am Checkpoint Charlie, was natürlich viele Fragen aufwarf und mich herausforderte, den Komplex Geteiltes Deutschland – Diktatur – Republikflucht usw. kindgerecht zu erläutern. Aber das hält die grauen Zellen in Bewegung, und immer nur Zoo ist ja auf Dauer auch nicht so spannend.
Ein Städtetrip mit kleinerem Kind muss also nicht in Stress ausarten – wenn man die Ansprüche runterschraubt und die Sache auf sich zukommen lässt. Außerdem gibt es mittlerweile in vielen Reiseführern entsprechende Kapitel mit Aktivitäten für Kinder – oder informative Websites wie z. B. von Visit London mit eigenem Menüpunkt „London für Kinder“ oder vom Tourismusportal Berlin „Berlin für Familien„.

Also: einfach mal machen!

Meinungen (2)

  1. Jutta

    Wunderbar auf den Punkt gebracht! Ich kann jedes Wort nur unterschreiben: Auch meine Tochter lernte Florenz (mit 6) vorwiegend aus der Pferdekutsche kennen und ging mit 7 zum ersten Mal mit in die Oper, wo sie das Bühnengeschehen mit geröteten Wangen verfolgte. London mit Tower und Tate hat sie eh begeistert (na gut, da war sie auch schon abgeklärte 10…). Städte und Kultur lassen sich wunderbar mit Kindern genießen – es muss eben ein entspannter Mix aus Kindgerechtem Programm und neuen Anegungen sein.

  2. Ah, Florenz! Das fand ich allerdings richtig stressig, hatte ich wohl verdrängt. Da war die Lütte jedoch erst knapp 2, das war definitiv zu früh (war auch zum Glück nur ein Tagesausflug im Rahmen eines Toskana-Urlaubs).

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